Hand auf´s Herz

Hand auf´s Herz schafft Herzenswärme

 

In Lisa breitete sich eine tiefe Ruhe aus, sie entspannte sich bei dem Gedanken, dass ihre Freundin so eine schöne Reise gehabt hatte. Sie war bisher in dem Glauben, dass es kalt und dunkel ist, wenn man stirbt. Dass es aber genauso gut warm und hell sein konnte und man zusätzlich noch abgeholt wird, das hatte sie sich noch nie ausgemalt. Sie war guter Dinge, und in ihrem Kopf sortierten sich wie von alleine ihre grauen Gedanken zu einem hellen Himmelsbild. Nach einer Weile fragte sie: „Du, Slomo, wenn ein Mensch oder ein Tier gestorben ist, wo schwebt denn dann der Körper hin? Auf Beerdigungen werden doch die Särge in die Erde gelassen, da kann doch gar keiner nach oben schweben. Dann kommt noch mal Erde darauf und das Loch wird zugeschüttet. Wieso ist das so?“ Slomo hatte schon geahnt, dass sie in Lisa eine kluge Freundin gewinnen würde. Dass sie aber so detailliert nachfragen würde, damit hatte sie nicht gerechnet. So kräuselte sich ihre kleine Nase mal wieder in Falten und sie konzentrierte sich, um auf Lisas Frage eine gut verständliche Antwort zu finden.

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„Bei dem Körper ist es ähnlich, aber Knochen und alles, was dazu gehört, können nicht schweben. Wenn der Körper sich auflöst, fliegt er nicht nach oben, weil er nicht nur aus Wasser besteht, sondern auch aus Knochen, den Organen und der Haut. Die sind viel schwerer als Wasser, und daher können die nicht nach oben wegfliegen. Der Körper löst sich nach und nach auf, anstatt nach oben zu schweben. Wenn ein Mensch oder auch ein Tier gestorben ist, bleibt seine Hülle, also sein Körper, ganz ruhig liegen und zerfällt mit der Zeit zu ganz feinem Staub. Dieser feine Staub, der so fein ist wie Asche bei einem Lagerfeuer, der verbindet sich mit der Erde.“ Lisa grübelte und war sich nicht sicher, ob sie das so richtig verstanden hatte. Das war alles ganz schön kompliziert fand sie. Aber sie vertraute Slomo und fragte: „Der Körper löst sich mit seinen Teilen sozusagen nach unten hin auf und nicht nach oben? Er verwandelt sich in feinen Staub, der sich wieder nach viel Zeit mit der Erde verbindet, aber die Liebe, die uns verbindet, ist trotzdem nie ganz weg? Die Liebe bleibt da, obwohl ich meine Freundin nicht mehr sehen kann? Hast du das so gemeint?“ „Ja, ganz genau“, antwortete Slomo ruhig, „du kannst den Körper nicht mehr sehen, aber du kannst eure Liebe fühlen.“ „Wie fühl ich die Liebe denn?“, fragte Lisa und setzte sich auf einen Küchenstuhl. „Och“, sagte Slomo „das ist ganz einfach. Denk mal ganz fest an deine Freundin. Erinnere dich an das, was sie dir gesagt hat!“ „Dass sie mich ganz doll lieb hat und ich die beste Freundin auf der ganzen Welt bin?“, fragte Lisa. „Genau! Jetzt legst Du Deine Hände auf Dein Herz und spürst, wie warm es an dem Punkt wird. wo dein Herz sitzt!“

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Lisa fühlte es unter dem Pullover pochen. Ein paar Sekunden später wurde es rund um ihr Herz viel wärmer. „Es fühlt sich da ganz warm an“, sagte sie erstaunt. „Ja“, flüsterte Slomo, „das ist die Liebe, die euch verbindet, sie ist immer da, das kannst du jederzeit an deinem Herzen fühlen.“ Lisa sprang auf und rief begeistert: „Dann ist meine Freundin gar nicht so richtig weg! Ein Teil ihrer Liebe sitzt bei mir im Herzen, weil sie uns verbindet. Ich kann sie zwar nicht sehen, aber ich kann fühlen, dass sie mich lieb hat und dass ich sie lieb habe.“ „Genau! Die Liebe kann dir keiner wegnehmen! Erinnere dich einfach an den bunten Faden, den magischen Klebstoff auf deinem Bild. Die Liebe ist wie dieser bunte Faden, er verbindet eure Herzen, es ist ganz egal, ob du deine Freundin sehen kannst oder nicht.“ „Jetzt verstehe ich immer besser wie du das mit der Reise meinst!“, rief Lisa „ Als ich im Urlaub war, war es genauso. Da hab ich meine Freundin zwei Wochen lang nicht gesehen, aber ich hatte sie trotzdem genauso lieb. Da wusste ich aber, dass ich sie wiedersehe, das ist was anderes.“ Lisa wurde wieder traurig und kämpfte mit aufsteigenden Tränen.

„Lisa, wir sind doch noch nicht fertig, warte ab was passiert! Nimm Dir lieber noch einen von den leckeren Keksen und vertraue mir!“ Lisa nahm sich einen Keks, biss ein kleines Stückchen ab und merkte, wie gut er schmeckte. „Schau mal an die Fenster. Siehst du, dass die Fenster beschlagen sind?

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„Ja stimmt, darauf hab ich gar nicht geachtet, woher kommt das?“ „Das kommt vom Wasserdampf. Der ist doch nach oben gestiegen und weil er ja nicht aus dem geschlossenen Fenster schweben kann setzt er sich auf dem Fensterglas als Dampf ab. Nach einer Weile wird der Dampf kalt und wenn Dampf kalt wird, wandelt er sich wieder in Wasser zurück. Es bilden sich kleine Wassertropfen, die langsam das Fenster herunter laufen.“ Lisa rief aufgeregt „weil jetzt Kälte von dem Fensterglas an den Dampf kommt oder? „Richtig mein kluger Liebling! Der Wasserdampf hat sich also wieder verformt, er hat sich durch Abkühlung an der Fensterscheibe zu Wassertropfen verformt.“

„Das ist wirklich erstaunlich Slomo. Wieso ist meine Freundin weg und nicht am Fenster zu sehen?“ „Weil der Himmel kein Fenster hat Liebes! Du weißt doch, der Himmel ist unendlich, wie die Liebe, du kannst immer weiter und weiter schauen und er endet nie, es gibt keine Tür und es gibt kein Fenster.

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Türen und Fenster kann man immer nur in fest begrenzten Räumen einbauen. Daher kannst Du deine Freundin jetzt nicht am Himmel sehen, aber du kannst die Liebe die euch beide verbindet spüren.“ Lisa legte schnell die Hände auf ihr Herz und es ging ihr auf einmal viel besser. „Öffne jetzt mal die Fenster und warte ab was passiert!“ rief Slomo und schnappte sich den Rest von Lisas Keks.

Kapitel 10 / Nichts geht verloren