Himmel im Herzen

Wie passt der Himmel in mein Herz? 

„Jeder Mensch trägt ein Stück vom Himmel im Herzen, auch Du.“ Lisa sah Slomo erstaunt an. Sie hatte eine blühende Phantasie und konnte sich vieles vorstellen, aber wie ein Stück von dem riesigen Himmel da oben in ihrem kleinen Herz Platz haben sollte, das sprengte ihre Vorstellungskraft. Und als wenn Slomo Gedanken lesen konnte, sagte sie: „Du denkst bestimmt, dass der Himmel viel zu groß ist, als dass ein Stück davon in deinem Herzen Platz haben könnte richtig?“ Lisa nickte, aber Slomo fuhr unbeirrt fort „Mit liebevollen Gedanken kann dein Herz unendlich wachsen. Da hat selbst ein Stück aus dem Himmel Platz.“

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Lisa war ganz baff. „Ja, aber dann müssten da oben ja Millionen von Löchern zu sehen sein.“ Das konnte doch nicht stimmen. Tapfer versuchte sie, in Gedanken am Ball zu bleiben. „Weißt du“, sagte Slomo und zeigte mit der rechten Vorderpfote nach oben „der Himmel ist unendlich. Deswegen nimmst du dem Himmel auch nichts weg, wenn ein Stück davon in deinem Herzen ist.“ Lisa starrte Slomo an „Das leuchtet mir ein. Und weil nichts weg ist, sind auch keine Löcher zu sehen?“ fragte sie „Genau! Dann würde der Himmel ja wie ein Schweizer Käse aussehen, wenn lauter Löcher über uns schweben.“ Slomo kicherte bei der Vorstellung. Dann schaute sie zu Lisa auf und fragte: „Kannst du dein Herz fühlen?“ Lisa machte die Augen zu und fühlte, wie ihr Herz im Takt pochte. „Ich höre es auch“, sagte Slomo. „Weil ich vieles höre, was sonst keiner hört. Dein Herz schlägt mal langsamer, mal schneller, aber immer im Takt. Es bleibt nie stehen.“ Slomo deutete in den Himmel. „Genauso ist es mit den Wolken. Sie bewegen sich zwar nicht im Takt, aber sie bleiben auch nie stehen, sondern sie malen ganz ruhig ihre Formen in den Himmel.“

Lisa sah zu den Wolken hoch, wie sie sich langsam und behäbig von rechts nach links schoben, sich zu einer großen Kugel formten, die aussah wie eine riesige Zuckerwatte und sich dann in lauter kleine, runde Figuren auflöste. Sie fühlte, wie ein Anflug von Leichtigkeit ihr Herz ergriff, und bekam ganz sanfte Gesichtszüge: „Mir wird ganz leicht ums Herz, woher kommt das auf einmal?“

„Weißt du, Lisa, der Himmel ist wie die Liebe.“ Slomo rollte sich auf die Seite. „Er ist unendlich, man kann ihn nicht messen, weil man ihn nicht in einen Raum sperren kann. Er ist grenzenlos, eben genau wie die Liebe. Liebe kann man auch nicht messen, weil sie nicht nur in einem Raum ist, sondern immerzu zwischen zwei Menschen hin und her fließt. Dieser Fluss, der macht dein Herz warm.“ Sie rollte wieder auf den Bauch zurück und legte die Vorderpfoten übereinander. „Die Liebe kann wie die Wolken ganz unterschiedliche Formen annehmen. Mal bringt sie dich zum Lachen. Ein anderes Mal ist sie ruhig und leise, so wie jetzt, dann fühlst du dich geborgen und sicher.“ „Das alles kann die Liebe in meinem Herzen?“ Lisa kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. „Ja, noch viel mehr! Sie kann dein Herz sogar zum Leuchten bringen. Denn manchmal ist sie wie die Sonne, wenn sie durch die Wolken strahlt. Dann bekommst du gleich viel bessere Laune und wirst richtig mutig. Sie ist nie gleich, aber sie ist immer für Dich da!“

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Slomo hielt kurz inne, schaute einem Schwarm Krähen hinterher, der sich am Rand der Wiese niedergelassen hatte, und beobachtete aus dem Augenwinkel, wie es in Lisas Kopf arbeitete. Nach einer Weile nickte Lisa. „Du hast Recht, der Himmel ist auch immer da!“ „Ja“, sagte Slomo, „der Himmel verschwindet auch nicht von einem Tag auf den anderen, selbst wenn du es dir noch so doll wünschen würdest! Er überwacht alles. Er ist wie ein Schutzengel über der Erde, und er passt auf dich auf! „Slomo malte mit seinen Vorderpfoten große Kreise in die Luft. „Nicht nur auf dich – er passt auf jeden von uns auf. Und weil wir so viele Menschen sind, ist der Himmel einmal um die Erde herum, so hat er alles im Blick.“ Lisa wurde noch wärmer im Herz und sie stellte sie fest, dass ihr Hals gar nicht mehr so wehtat. Was war das bloß für ein Trick? Seit dem Tag, an dem ihre Freundin gestorben war, hatte sie sich nicht mehr so leicht gefühlt.

Kapitel 3 / Magischer Klebstoff