Kloß im Hals

Wie du dir deinen Kloß im Hals zum Freund machst

 

Slomo war zufrieden, aber sie legte noch einen nach. „Wenn du dir den Satz genau durch den Kopf gehen lässt. kannst du sogar was erkennen: Liebe verbindet! Womit verbindet man Wunden. wenn sie wehtun?“ „Mit einem Verband“, rief Lisa und war gespannt, was Slomos Trickkiste noch hergab. „Du bist so klug, mein Liebling, und du denkst mit, das ist großartig. Liebe ist also auch noch eine Art unsichtbarer Verband.

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Wenn dein Herz wehtut, weil du dich allein gelassen fühlst, darfst du natürlich traurig sein, denn du vermisst ja deine Freundin. Wenn du so tust, als ob du sie nicht vermisst, ist das nicht gut für dein Herz, dann beschummelst du dich ja selber!“ Sie sah Lisa an und versuchte zu erkennen, ob Lisa folgen konnte. Lisa nickte und sagte: „Und so entsteht vermutlich mein Kloß im Hals, es drückt im Hals, weil mich im Herzen was bedrückt, oder?“ Slomo staunte über Lisas Worte. „Wow, du bist wirklich ein helles Köpfchen! Genauso verhält es sich nämlich!“ Lisa grinste über beide Ohren. „Kannst du nicht mal in deiner Trickkiste nachschauen, ob es da was gibt, womit ich die Traurigkeit verbinden kann?“ „Puuhh“, sagte Slomo, „du hast kluge Wünsche auf Lager. Du kannst versuchen, dich vorsichtig mit ihr anzufreunden.“ Lisa schluckte und dachte an ihren dicken Kloß im Hals und daran, wie sie sich ausgerechnet den zum Freund machen konnte.. „Wie soll ich mich denn mit meinem hässlichen dicken Kloß im Hals anfreunden?“

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„Die Traurigkeit kannst du am besten auflösen, wenn du sie dir zum Freund machst und nicht versuchst, gegen sie anzukämpfen“, sagte Slomo bedächtig. „Das hört sich erst mal komisch an, weil du sie ja eigentlich loswerden möchtest – aber genau darin liegt der Trick.“ Slomo schaute Lisa an und sah, wie Lisa versuchte, das zu verstehen. Trotzdem sah sie riesige Fragezeichen in ihren Augen. „Schau mal, mein Liebling, die Traurigkeit verwandelt sich am schnellsten, wenn du gut mit dir selber umgehst, obwohl sie da ist. Sie darf da sein, weil du einen Menschen vermisst, aber sie darf dich nicht den ganzen Tag belasten, dann macht sie dich krank. Daher musst du versuchen, dich mit ihr anzufreunden. Denn Freundschaft macht Spaß, und Spaß löst Belastungen auf. Freundschaft gibt dir viel Kraft, denn dann bist du liebevoll zu dir selber. Wenn du das schaffst, dann musst du die Traurigkeit nicht ertragen – stattdessen trägt sie dich. Sie ist dann wie der Wind, sie löst sich auf.“ „Also der Kloß löst sich auf, weil ich mit ihm befreundet bin?“, fragte Lisa ungläubig. Slomo wühlte in den Küchenschubladen, soweit sie oben ankam. „Was suchst du?“ „Ich suche noch mehr Papier und Buntstifte, der Bleistift für die Notizen reicht hier nicht.“ „Die sind nicht in der Küche“, sagte Lisa und lief in ihr Zimmer. „Hier, schau mal!“ Lisa kam mit einer Packung Filzstifte und einem Stapel Papier in die Küche zurück. „Klasse!“, rief Slomo „setz dich und mal bitte deinen Kloss auf. Wie sieht er aus?“ Lisa nahm sich ein Blatt Papier und einen grauen Filzstift und fing an, kleine Kreise zu malen. Nach und nach waren es so viele Kreise in unterschiedlicher Größe, die einen großen grauen Kloß ergaben. „So!“, rief sie „so sieht er aus.“ „Er ist nicht so gleichmäßig wie ein Kreis, er hat Dellen und Beulen.“ Slomo schaute interessiert auf den Kloß. „Und Lisa, findest Du nicht, dass er ein wenig Ähnlichkeit hat mit einer Wolke …?“

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„Doch“, rief Lisa, „er könnte eine kleine Wolke sein.“ Sie schaute sich jetzt ihr Bild von dem Kloß ganz genau an. „Du hast recht, ein Kloß und eine kleine graue Wolke sehen sich verdammt ähnlich. Was machen wir jetzt mit ihm?“ „Jetzt zaubern wir ihn weg! Anders gesagt, wir verwandeln ihn, pass mal auf, was das für einen Riesenspaß macht“, rief Slomo. Lisa starrte auf den Kloß und es erschien ihr unmöglich sich vorzustellen, wie das gehen sollte, sich mit genau diesen grauen Kloß anzufreunden. „Du denkst jetzt sicherlich mal wieder, ich kann Gedanken lesen“, grinste Slomo. „Ich weiß. wie unmöglich es dir erscheint .sich mit „Klößchen“ anzufreunden, aber schau mal genau hin. So genau wie vorhin auf den Wasserdampf. So wie dein Kloß da so sitzt, hast du nicht das Gefühl, dass er auch ein bisschen unglücklich ist mit seiner Form und der Farbe?“ Lisa schaute sich ihren Kloß genau an und sie musste zugeben, dass er ihr, je länger sie ihn ansah, irgendwie leid tat, wie er da so traurig auf dem Blatt Papier hockte. „Ja“, sagte sie „du hast recht, Slomo! Glücklich sieht er nicht aus, vielleicht freut er sich ja sogar, wenn ich ihn lieb hab und ihn verwandele. Ich glaube, er hat selber keine Lust, so grau dazusitzen!“ „Sehr gut erkannt, mein Liebling!“, rief Slomo begeistert „Es gibt niemanden auf der Welt, auch nicht der größte Griesgram, und wenn er noch so traurig ausschaut, der wirklich froh darüber ist, dass er so aussieht. Daher tue dem Kloss den Gefallen und verwandele ihn in etwas Schönes!“ „Ich färbe ihn!“, rief Lisa. „Er ist dann zwar nicht weg, aber er sieht nicht mehr so grau und trist aus!“ „Genau! Es geht also ziemlich einfach, sich mit seiner Traurigkeit anzufreunden, oder …?“ „Ja“, flüsterte Lisa, „wenn ich Mitgefühl mit ihm habe, dann wird mein Herz warm und ich wünsche mir, dass es ihm besser geht. Ich denke darüber nach, wie ich ihm helfen kann.“ „Genau das machst du jetzt auch“, antwortete Slomo, „du hilfst ihm und verwandelst ihn in lauter bunte Farben und Formen der Fröhlichkeit.

Kapitel 13 / Sonne einatmen