Magischer Klebstoff

Wie ein magischer Klebstoff

Slomo sah die Erleichterung in Lisas Gesicht. Aber da war noch etwas, was sie sah – nämlich ein großes Fragezeichen in Lisas Kopf. „Lisa, lass mich dir ein Bild beschreiben, damit du noch besser verstehst, was ich meine. Das Stückchen Himmel in deinem Herzen verbindet dich mit allem, genauso wie die Liebe dich mit allem verbindet. Es ist so ein bisschen wie magischer Klebstoff!“ Slomo kicherte wieder leise in sich hinein und breitete ihre Vorderpfoten gaaaanz langsam aus, bis es nicht mehr weiter ging, um sie dann „schnipp“ wieder zusammenschnappen zu lassen. „Siehst du, so meine ich das. Liebe ist eine ganz warme und mächtige Energie, sie ist wie ein Magnet und Klebstoff zusammen.“ Lisa musste über Slomos Faxen und ihre liebenswerte Tollpatschigkeit lachen.

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Obwohl sie nicht so ganz genau verstand, wie alles mit allem zusammenhing, schenkte sie Slomos Worten Glauben. Trotzdem traute sie sich kaum zu fragen: „Also habe ich in meinem Herzen eine Art magischen Klebstoff, der mich mit meiner Freundin verbindet, egal wo sie steckt?“ „Genau“, freute sich Slomo über Lisas Auffassungsgabe, „du musst dir das mal bildlich vorstellen, was für eine magische Zauberkraft entsteht, wenn Himmel und Erde sich verbinden. Was glaubst du, was da alles hin und her saust?“ Lisa erinnerte sich an ein Unwetter, das sie miterlebt hatte. Da fegten die Blitze nur so über den Himmel und es donnerte ohrenbetäubend. „So wie bei einem Gewitter?“, fragte sie. „Nein, viel sanfter und leuchtender, so wie bunte, ganz feine leuchtende Fäden, wo kleine leuchtende Kugeln von oben nach unten hin und her sausen und alles in den schillerndsten Regenbogenfarben funkelt.“ Slomo war sichtlich zufrieden mit ihrer Beschreibung. Lisa fragte sich insgeheim, woher dieser Hund das nur alles wusste. „Kann ich das auch sehen?“, fragte sie. „Natürlich“, sagte Slomo mit ihrer gewohnten sanften Stimme. „Schließ deine Augen und leg beide Hände auf dein Herz!“ Lisa hatte mittlerweile großes Vertrauen zu Slomo und fühlte sich pudelwohl in ihrer Gesellschaft. Also schloss sie die Augen, legte ihre Hände auf ihr Herz und wartete. Es dauerte keine zwei Sekunden, da spürte sie, wie ihre Hände wohlig warm wurden. In Gedanken konnte sie die kleinen bunten Lichtkugeln um ihr Herz tanzen sehen und wie sie „hui“ wieder in den Himmel schossen.

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Es fühlte sich verdammt gut an. Auf seltsame Weise fühlte Lisa sich geborgen und in Sicherheit. Sie hatte Slomo noch einige Fragen stellen wollen, wie das genau funktionierte, aber das war auf einmal gar nicht mehr wichtig. Wichtig war, dass ihr Herz warm und leicht wurde. Und auch der Kloß im Hals hatte sich aufgelöst. Ihre Gedanken wanderten zu ihrer Freundin, und sie fragte sich, wo sie wohl jetzt in diesem Augenblick ist. Und dabei merkte sie, dass es sich das erste Mal vollkommen anders anfühlte, denn sie hatte das Gefühl, dass es ihrer Freundin gut ging. Lisa sah sie zwar nicht, aber sie war sich jetzt ganz sicher, dass sie nicht verloren gegangen waren. Das gab ihr Hoffnung und Zuversicht. Slomo hatte recht. Es schien in der Tat einen magischen Klebstoff zwischen dem Himmel und ihrem Herz zu geben. Das wollte sie jetzt genauer wissen. „Ist es egal, wo die Menschen sind, mit denen ich mich verbinde?“ „Natürlich ist das egal! Sie können sich gerade gegenüberstehen oder der eine ist auf dem Mond und der andere sitzt in der Küche und frühstückt.“ Lisa runzelte die Stirn. „Und was ist nachts, wenn keiner etwas sehen kann? Trage ich dann immer noch ein Stück vom Himmel bei mir im Herzen?“

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„Denk mal nach, meine liebe! Nachts taucht der Himmel seine Erscheinung in tiefes Schwarz, dann siehst du nur die Sterne funkeln und den Mond leuchten“, erklärte Slomo. „Aber der Himmel ist natürlich nicht weg. Du kannst ihn nur nicht sehen. Am nächsten Tag ist er doch wieder da, dann wird er von der Sonne angeleuchtet und er schaut blau aus. Genauso ist es mit dem Stück vom Himmel in deinem Herzen. Du kannst deine Freundin nicht sehen, aber die Liebe von ihr zu dir ist trotzdem nicht weg.“ Lisa hob den Kopf, schaute in das Blau des Himmels und war tief beeindruckt von allem, was Slomo so alles wusste.

Kapitel 4 / Eine Decke aus Wolken