Sonne einatmen

Wie man die Sonne einatmet

„Jetzt pass mal auf, was du alles kannst!“, rief Slomo voller Elan „Wie verschwinden Wolken? Einen winzigen Tipp gebe ich dir, weil ich dich so lieb hab und du so tapfer mitmachst. Denk mal nach, was draußen für ein Wetter ist, wenn sich Wolken auflösen?“ „Es ist windig! Ja, es weht total viel Wind, der die Wolken wegpustet“, rief Lisa aufgeregt. „Genau!“ Slomo hüpfte auf Lisas Kuscheldecke und machte es sich gemütlich.

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„Was macht so was Ähnliches wie Wind in dir drin?“ „Luft“, jubelte Lisa. „Super Lisa!!“ Slomo sprang begeistert auf und ab. „Jetzt testen wir das mal! Atme ganz tief ein! Jedes Mal, wenn du einatmest, stellst du dir was vor, was dich glücklich macht. „Wie meinst du das?“, fragte Lisa. „Sag mir, was dich glücklich macht! Egal was!“ sagte Slomo neugierig. „Eiscreme? Sonnenblumen? Deine Freunde? Kekse? Irgendwas, was du richtig toll findest.“ „Hhmm …“ Lisa überlegte. „Unsere grüne Wiese mit Sonnenblumen, auch die Sonne – und wir pflücken gemeinsam Äpfel mit meinen Freunden.“ „Prima! Sagst du mir jetzt auch noch, was dich traurig macht?“ „Naja, der Kloß in meinem Hals und die dunklen Wolken in mir drin. Ja, diese beiden machen oft alles in mir drin schwer. Es fühlt sich ähnlich an wie Blei.“ „Okay“, sagte Slomo, „dann male mir jetzt bitte auf ein Blatt Papier, wie dein Glückstag aussieht. Mal alles einfach so, wie du es im Kopf siehst. Deinen Kloß haben wir ja schon.“

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„Jetzt schaust du auf die Sonnenblume, atme tief ein. Sieh dir deine Sonnenblume genau an, so als wenn du die gelbe Farbe in dich einatmen möchtest. Beim Ausatmen schaust du auf dein Bild von den grauen Wolken und deinem Kloß und färbst die beiden mit deinem Atem einfach gelb ein!“ Lisa atmete tief ein und konzentrierte sich auf die schöne, gelbe Sonnenblume auf ihrem Blatt Papier. Danach sah sie auf die dunkle Wolke und ihren kleinen Trauerkloß. Sie pustete die Luft mit einem langen „Pfffft“ wieder aus und dachte ganz fest daran, dass die Wolke und der Kloß nach und nach in weiche sonnengelbe Farbe getaucht werden. „So?“ „Ja genau, so ist´s prima!“ sagte Slomo. „Mach das ganz in Ruhe in deinem Tempo. Es gibt hier kein Richtig und kein Falsch. Übung macht den Meister. Nach ein paar Mal hast Du den Bogen raus und kannst Dich voll auf die warme, gelbe Farbe konzentrieren. So wie der Wind die grauen Wolken am Himmel wegbläst, so färbt deine Luft mit der warmen, gelben Sonnenfarbe in dir deine grauen Wolken samt dem Kloß in ein leuchtendes Gelb.“

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Lisa atmete eifrig das warme Gelb der Sonnenblume in sich ein, bis der graue Wolkenkloss anfing, wirklich zu leuchten. „Es klappt! Es klappt! Herrlich wie einfach das geht!“ „Ja!“, rief Slomo. „Das Beste ist, du kannst es immer wieder machen. Jeden Tag, wann immer du möchtest. Wenn du merkst, dass die grauen Wolken sich wieder bei dir einschleichen oder sich der Kloss wieder in deinem Hals breit macht, nimmst du dir einfach deine schöne Zeichnung und legst los. Es funktioniert immer!“ Lisa drückte Slomo fest an sich. „Du, Slomo, jetzt hab ich so viele Tricks auf Lager, den magischen Klebstofftrick, den Trick mit dem Wasserdampf, den Freundschaftstrick und den Trick zum Einatmen, mit dem ich die grauen Wolken und sogar den Kloß in leuchtendes Gelb verwandeln kann. Deine Trickkiste ist der absolute Wahnsinn und mein großes Glück. Ich bin sehr dankbar, dass du deine Geheimnisse mit mir geteilt hast. Ohne dich hätte ich das nicht hinbekommen. Für mich bist du der beste Hund auf der Welt!“ Slomo stupste sie mit ihrer kalten, kleinen Nase sanft an und schaute liebevoll zu ihr auf. „Für mich bist du auch die tollste und vor allem tapferste Lisa auf der ganzen Welt!“

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Ein gluckerndes, ziemlich lautes Geräusch unterbrach die beiden. „War das etwa dein Bauch?“, fragte Lisa und kicherte. „Ähem … ich glaube schon!“ Slomo musste grinsen. „Weißt du, mein Liebling, diese Versuche, die machen mich immer sehr hungrig, und wenn du mal auf die Uhr schaust, es ist schon fast Abend. Wir zwei haben außer ein paar Keksen über den Tag verteilt nicht wirklich was gegessen.“ Lisa schaute auf die Uhr. „Wow, die Zeit hab ich total aus den Augen verloren. Weißt du was? Jetzt backen wir zwei uns eine große Portion Pfannkuchen und kochen uns leckeren Kakao aus echter Schokolade. Dann kann ich dir auch mal einen Trick zeigen, nämlich den „tollsten-Kakao-von-der Welt-Trick“.

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Slomo jubelte und rief: „Das ist eine ganz hervorragende Idee, mein Liebling! Mein Bauch grummelt nämlich schon seit Stunden, und ich kann mir nichts Besseres vorstellen, als jetzt mit dir köstliche, selbstgemachte Pfannkuchen zu vertilgen und dazu einen großen Becher selbstgemachten Kakao zu trinken.“ Sie machten sich ans Werk, die Zutaten zusammenzusuchen. Sie klapperten in der Küche fröhlich mit den Töpfen und der Pfanne. Die beiden waren so vertieft in die Zubereitung des Teiges für die Pfannkuchen, dass sie nicht mal bemerkten, wie die Tür aufging und Lisas Freunde in der Tür standen. „Was duftet hier so gut?“, fragten sie. „Selbst gemachter Kakao und frische warme Pfannkuchen“, riefen Lisa und Slomo aus einem Mund. „Schnappt euch einen Stuhl und lasst uns zusammen Pfannkuchen essen und Kakao trinken, es ist genug für alle da!“ Die Kinder jubelten und es wurde ein richtig toller Tag mit vielen Bechern Kakao, einem riesigen Berg Pfannkuchen, jeder Menge Zaubertricks und einer kugelrunden Slomo, die sich selig unter dem Tisch zusammen gerollt hatte, bei offenem Fenster in den Himmel schaute und zufrieden in den nächsten Traum segelte.